Das Gedenken braucht einen Ort

Realschüler auf den Spuren nationalsozialistischer Verbrechen

 

Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 der Friedrich-List-Gemeinschaftsschule nahmen ein zusätzliches Angebot im Fach Geschichte wahr und besuchten am 29.01.2016 Grafeneck und Buttenhausen bei Münsingen. Sie hatten eine symbolträchtige Woche für die Exkursion gewählt. Am 27.01. ist der Tag zum Gedenken der nationalsozialistischen Opfer (Befreiung des KZ Auschwitz 1945), am 30.01. 1933 war die so genannte „Machtergreifung“ Hitlers gegen die sich in Deutschland nur in Mössingen Widerstand regte am 31.01.1933.

 

Dass es heute wieder Behinderte dort gibt, obwohl so viele gestorben sind“

Diesen Satz schrieb Nina über Grafeneck, der ersten Station der Studienfahrt. In der Abgeschiedenheit des Ortes und kurz nach Beginn des Krieges begannen die deutschen Faschisten ihre verbrecherische Ideologie in die Tat umzusetzen. Behinderten Menschen wurde eine Lebensberechtigung abgesprochen. Im Jahr 1940 wurde eine Tötungsanstalt aufgebaut und es wurden über 10 000 Menschen mit Kohlenmonoxyd vergast. Hier wurde mitten in Württemberg der industrielle Massenmord geprobt, ein Weg, der in die Vernichtungslager wie Auschwitz führte.
„Dass die das so krass geplant haben und obwohl ich es wusste, dass sie so unglaublich unmenschlich waren“ meinte Enes. Nina war überrascht „wie viele in einem Jahr getötet wurden“.

 

 

 

Ich fand es beeindruckend, dass Leute den Juden immer noch geholfen haben“

 

In Buttenhausen im Lautertal bestand eine lebendige jüdische Gemeinde, die für einen wirtschaftlichen Aufschwung im Dorf sorgte. Bis auch hier die Verfolgung einsetzte. Die Synagoge wurde erst beim zweiten Versuch eine Tag später zerstört, weil die örtliche Feuerwehr beim ersten Mal löschte. Die letzten verbliebenen Einwohner, die nicht mehr rechtzeitig ausreisen konnten, kamen in Theresienstadt oder Auschwitz ums Leben. Beim Rundgang durch den Ort wurde versucht, die Häuser mit Leben zu füllen. So gab es ein Gespräch zwischen einer Jüdin und einem Nichtjuden, die ein gemeinsames Kind erwarteten – sehr gut gespielt von Anna-Maria und Nina. Stefan fand es beeindruckend, „dass Leute immer noch den Juden geholfen haben“.

Ins Gedenkbuch von Grafeneck schrieb Anna-Maria ein Zitat von Erich Kästner: „Jeder ist verantwortlich für das was geschieht und was unterbleibt, und jeder von uns muss spüren, wann die Mitverantwortung neben ihn tritt und schweigend wartet. Wartet, dass er handelt, hilft, spricht, sich weigert oder empört, je nachdem.“

 

Grafeneck 2016 3