Realschüler auf den Spuren nationalsozialistischer Verbrechen

"Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."

George Santayana

 

Seit dem Jahre 1996 ist der 27.Januar der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ und damit ein nationaler Gedenktag. Das Datum selbst geht eigentlich auf die Befreiung der Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zurück. Diesen Tag nahm die Friedrich-List-Gemeinschaftsschule zum Anlass und bot interessierten Schülerinnen und Schülern eine Exkursion zur regionalen Opfer- und Tätergeschichte an.

 

 

Dass so nah bei uns so schreckliche Dinge mit Menschen gemacht wurden“

 

Den ersten Halt bildete die ehemalige Sommerresidenz der württembergischen Fürsten, Grafeneck. In der Abgeschiedenheit des Ortes und kurz nach Beginn des Krieges begannen die deutschen Faschisten ihre verbrecherische Ideologie in die Tat umzusetzen. Behinderten Menschen wurde eine Lebensberechtigung abgesprochen. Im Jahr 1940 wurde im schöngelegenen Jagdschlösschen eine Tötungsanstalt aufgebaut in der allein über 10 000 Menschen mit Kohlenmonoxyd vergast wurden. Die ersten Maßnahmen eines industriellen Massenmordes gingen hier mitten in Württemberg von statten, ein Weg, der in die Vernichtungslager wie Auschwitz führte. Den Schülern wurde bewusst, dass die Verbrechen direkt vor unserer Haustür stattfanden und so wie Timo ging es vielen: „ Als wir an der Stelle standen wo die Gaskammer war, in diesem Moment ist mir ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen.“ Und das lag nicht an den winterlichen Temperaturen auf der Alb. Und jemand stellte fest „dass den Nazis bei der Sache selbst nicht ganz wohl war und deswegen alles geheim bleiben sollte “.

 

 

Es haben so viele Juden in hier gelebt“

 

In Buttenhausen im Lautertal machte die Gruppe ihren zweiten Halt. Beim Rundgang durch den Ort versuchte der stellvertretende Schulleiter Joachim Stuhlinger die leblosen Fassaden zum Leben zu erwecken. Vor der nationalsozialistischen Herrschaft sorgte eine lebendige jüdische Gemeinde für einen wirtschaftlichen Aufschwung des Dorfes. Bis auch hier die Nürnberger Rassegesetze und die Deportation der Juden Einzug erhielten. Von den Juden, die mit ca. 56% über die Hälfte der Dorfgemeinschaft stellten, kamen die letzten verbliebenen Einwohner in Theresienstadt oder Auschwitz ums Leben. Übrig geblieben sind die ehemaligen Wohnhäuser, das Schulgebäude, der jüdische Friedhof und ein Denkmal am Platz der Synagoge.

 

 

Kim schrieb ins Gedenkbuch von Grafeneck einen Satz von Erich Kästner: „Jeder ist verantwortlich für das was geschieht und was unterbleibt, und jeder von uns muss spüren, wann die Mitverantwortung neben ihn tritt und schweigend wartet. Wartet dass er handelt, hilft, spricht, sich weigert oder empört, je nachdem.“