Von der älteren Generation lernen

Ein Engel am Sterbebett und eine Power-Rentnerin im Klassenzimmer

Wenn eine 67jährige Frau eine 10. Klasse mit 20 Schülern über zwei Schulstunden hinweg derart fesseln kann, dass man zweitweise eine Stecknadel hätte fallen hören, dann muss sie zum einen eine interessante Thematik bieten und zum anderen einen guten Draht zu jungen Menschen haben. Heidi Weimar, Mitarbeiterin der Hospizarbeitsgemeinschaft Reutlingen e.V. vereint beides. Frau Weimar begleitet nunmehr seit 13 Jahren ehrenamtlich Menschen, die im Sterben liegen sowie deren Angehörige.

Die evangelische Reli-Gruppe der Klassen 10a/c beschäftigt sich seit Beginn des Schuljahres mit der Thematik „Sterben, Tod und Auferstehung“. Lehrerin Melanie Nill ist bei dieser Einheit u.a. wichtig, dass die Schüler den Unterschied zwischen Sterbehilfe und Sterbebegleitung verstehen. In den Augen der Schüler ist dies nämlich fälschlicherweise oft das selbe. Zudem gibt es viele Menschen, die überhaupt nicht wissen, dass es ehrenamtliche Sterbebegleitung in ihrer Nähe gibt und dass man diese in Anspruch nehmen kann, wenn die eigene Familie davon betroffen sein sollte. „Niemand kann Sterbebegleitung authentischer und informativer rüber bringen als jemand, der diese seit Jahren aktiv leistet“, so Nill. Aus diesem Grund lud sie Frau Weimar am Dienstag, 11.12.2018 in der 5. und 6. Stunde in den Unterricht ein.

Powerrentnerin

Zuvor bereitete sie den Expertenbesuch mit ihrer Klasse vor, in dem thematisiert wurde, was ein Hospiz ist, was die Grundsätze und Ziele eines Hospizes sind und was genau eine Hospizarbeitsgemeinschaft anbietet. Die Schüler sammelten zudem in Gruppen insgesamt 57 Fragen an Frau Weimar, viele davon sehr persönlich und tiefgründig. Bei ihrem Besuch gelang es der Rentnerin tatsächlich alle 57 Fragen in zwei Stunden zu beantworten und zusätzlich, mittels sehr vielen Erzählungen und Beispielen aus ihrem Erfahrungsschatz, den Schülern nahe zu bringen, was es heißt, Menschen beim Sterben zu begleiten. Das Sterben und der Tod zum Leben gehören konnte Frau Weimar den Schülern näher bringen, in dem sie eine ernste und traurige Thematik mit sehr viel Feingefühl aber auch mit Humor und einem zwinkernden Auge vermittelte – am Sterbebett wird schließlich auch geweint und gelacht. Das Feedback, das Nill in der Woche darauf bei ihrer Klasse einholte, war durchweg positiv. „Mir ist es auch wichtig, dass Schüler sehen, dass junge Leute sehr viel von der älteren Generation lernen können und dass Rentner oft etwas äußerst Sinnvolles mit ihrer freien Zeit anzufangen wissen“, so Nill.